Training und Wettkampf

„Training ist ja gut und schön. Aber Wettkampf ist etwas ganz anderes!“

Diese und ähnliche Sprüche bekommen Sportler immer wieder von „alten Hasen“, oder noch schlimmer, ihren Trainern zu hören.

Was ist damit gemeint?

Diese Sätze zielen darauf ab, dass in einem Wettkampf „alles“ ganz anders läuft als im Training und der Athlet mit den verschiedensten Problemen konfrontiert wird. Der Sportler soll sich im „Ernstfall“ beweisen. Viele erfolgreiche Sportler vermitteln Anfängern immer wieder den Eindruck als wäre die Anspannung in einem Turnier eine nicht zu ändernde Tatsache auf die man sich nicht vorbereiten kann.

Schon beim aufmerksamen Lesen dieser Zeilen fällt einem auf, dass Sprüche wie „Gute Leistung im Training ist EINE Sache, aber Wettkampf eine ganz andere!“ völliger Unfug sind. Gebraucht ein Trainer solche Bemerkungen ist es wohl an der Zeit, dass er sich über sein Training Gedanken machen sollte.

Wenn nämlich ein Wettkampf tatsächlich etwas völlig anderes als das Training ist, läuft etwas schief. Es drängt sich ja förmlich die Frage auf, weshalb dann überhaupt noch trainiert wird.

Selbsterfüllende Prophezeiung

Einer meiner Athleten sagte nach einem Kampf zu mir, dass er es schade findet, mit den Leuten auf den Turnieren gar nicht richtig kämpfen zu können. „Die sind ja alle total verkrampft!“ Es war nach dem gewonnenen Finale einer Weltmeisterschaft.

Vermutlich wurde seinen Gegnern auch ständig eingeredet ein Wettkampf sei etwas völlig Anderes.

Sollte der Sportler diese Sätze glauben wird er zwangsläufig auch der Meinung sein völlig unvorbereitet zu sein. Wenn das Training etwas anderes ist kann es mich nämlich unmöglich auf den „Ernstfall“ vorbereiten. Unvorbereitet auf einen Wettkampf zu fahren löst beim Sportler natürlich Ängste aus. Diese Ängste sorgen dann für eine verkrampfte Haltung. Es wird unmöglich, die gewohnte Leistung zu erbringen. Der Körper befindet sich jetzt in einem völlig anderen Zustand als im Training. JETZT ist der Wettkampf tatsächlich etwas anderes. Wir haben es hier mit dem Effekt der selbsterfüllenden Prophezeiung zu tun.

Es fällt uns allerdings auf, dass die Annahmen im obigen Beispiel absurd sind. Natürlich werde ich durch Training besser in meiner Leistung. Deshalb wird ja trainiert.

Oft wird ein Wettkampf auch im Vorfeld als Prüfung bekannt gegeben. Vor Prüfungen fürchten sich ebenfalls sehr viele Menschen. Der Wettkampf wird auch häufig als ganz besonderes Ereignis dargestellt, als einzigartige Möglichkeit sich zu beweisen. Einzigartig bedeutet, dass diese Möglichkeit so schnell nicht wiederkommt. Vor dieser Situation fürchten sich ebenfalls viele Menschen. Denn wenn ich diese Chance nicht nutze… wann kommt die nächste?

Den Teufelskreis durchbrechen

Bei dieser Sichtweise wird sehr viel Negatives auf den Wettkampf projiziert. Das sorgt dann wiederum für Anspannung und Stress beim Athleten. Das sorgt für schlechte Leistung. Das sorgt für eine negative Sicht des Wettkampfs usw. Ein Teufelskreis beginnt.

Was können wir tun, um aus dieser Spirale auszubrechen?

Viele Trainer empfehlen dann häufig einfach auf viele Wettkämpfe zu gehen. Dann höre das irgendwann von selbst auf. Das ist eine schlechte Idee. Geht der Athlet jetzt mit dieser negativen Einstellung auf viele Wettkämpfe wird er auf jedem Wettkampf in seiner negativen Meinung bestätigt. Seine Meinung verfestigt sich.

Eine bessere Möglichkeit sich positiv auf den Wettkampf vorzubereiten, ist selbstverständlich dem Sportler immer wieder klar zu machen, dass ihn das Training eben genau auf den Ernstfall vorbereitet. Im Grunde ist der Wettkampf ein Training mit Zuschauern. Es muss strikt darauf geachtet werden, das Training, den Sparring, Übungsspiele, Übungskämpfe mit der Situation im Wettkampf gleich zu setzen. Damit können wir natürlich gewährleisten, den Sportler richtig vorzubereiten.

Wir alle haben schon spielende Tiere beobachtet. Wir wissen, dass sie sich mit ihrem Spiel auf später vorbereiten. Wenn sie „erwachsen“ sind müssen sie eventuell mit einem Rivalen oder einem Beutetier kämpfen. Sie lernen also im Spiel zu kämpfen. Und dieses Spiel ist absolut gleich zu setzen mit dem Ernstfall. Alle Bewegungen sind genauso als würde tatsächlich gekämpft. Es wird nur etwas Kraft heraus genommen, die Krallen nicht ganz ausgefahren. Die Bewegungen sind absolut echt und könnten vom Spielpartner mit einem ernsten Kampf verwechselt werden. Die Tiere sind also bedacht, dem Partner klar zu machen, dass „nur“ geübt wird. Es wird mit dem Schwanz gewedelt, mit den Augen geblinzelt oder sonst wie zu erkennen gegeben: Es ist Spiel! Die Bewegungen sind echt.

Geben wir also dem Sportler Vertrauen in seine Vorbereitung. Geben wir ihm Vertrauen in sein Training. Geben wir ihm Vertrauen in seine Leistung im Wettkampf und geben wir ihm den Sieg.

Training bereitet auf den Wettkampf vor!

1 Kommentar

  1. Sehr schöner Beitrag, Herr Werner. Daumen hoch und recht herzlichen Dank.

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