Die Macht der Worte … im Mentaltraining (Teil 2)

Beim Coaching spielt die Sprache eine wichtige Rolle. Es muss aktiv zugehört werden und es muss mit Bedacht gesprochen werden. Die Wahl der Worte kann für den Ausgang des Gesprächs, und dessen Erfolg, entscheidend sein. Ebenso können die benutzten Worte Aufschluss über das bestehende Problem und dessen Lösung geben, obwohl über etwas völlig anderes gesprochen wird. Die Worte alleine sind freilich nicht alles. Um das Gespräch bestmöglich nutzen zu können, ist ebenfalls das Umfeld, der Kontext des Gesagten zu beachten.

Dieses Umfeld der Information wollen wir etwas genauer betrachten. Wir wollen uns einige Aspekte der Kommunikation heraussuchen und uns anschauen, welche Bedeutung sie haben können. Natürlich geht es dabei um Worte. Allerdings wollen wir uns damit beschäftigen, wann sie gesagt werden. Möglicherweise wird auch etwas eben gerade NICHT gesagt. Denn daraus lassen sich weitere Schlüsse für die Lösung des anstehenden Problems ziehen.

Auch hierbei ist es selbstverständlich wieder völlig unerheblich, ob Sie an sich selbst arbeiten oder mit einem Partner. Das haben wir im Artikel „Die Macht der Worte (1)“ schon gesehen.

Beispielhaft betrachten wir uns wieder fünf Punkte, die beim Coaching, und natürlich bei der Kommunikation allgemein, eine wichtige Rolle spielen. Und möglicherweise erkennen Sie die Situationen auch im Alltag wieder.

Beschreibungen

Viele Menschen haben in Prüfungssituationen Probleme, ihr Wissen abzurufen. Bei der mentalen Vorbereitung auf eine anstehende Prüfung könnte dann die Frage auftauchen: „Wann kommt die Prüfungsangst?“ Und die Antwort könnte lauten: „Wenn ich da so verlassen ‚rumstehe!“ Das ist eine häufig vorkommende Situation beim Coaching. Die Frage zielt auf einen Zeitpunkt und die Antwort weicht auf Gefühle aus. Weshalb wird „…’rumstehe“ benutzt? Es könnte darauf hindeuten, dass die Eigenwahrnehmung etwas gestört ist. Hier wirkt das Anschauen der eigenen Person in einer Videoaufzeichnung oft Wunder. Offensichtlich hält der Sprecher ja nicht sehr viel von seiner Art zu stehen. „’Rumstehen“ beschreibt nun nicht gerade eine selbstbewusste Form des Stehens. Meist wird das eigene Verhalten in einer Situation vor Publikum als extrem nervös empfunden. Auf einer Videoaufzeichnung lässt sich dann oft erkennen, dass die eigenen Gefühle einem einen Streich spielen. Auf die Zuschauer wirkt es meist nämlich weit weniger nervös als auf den Akteur. Diese Erkenntnis bringt Selbstbewusstsein.

Das Attribut „verlassen“, in unserem Satz, könnte darauf hindeuten, dass der Lernstoff nicht sorgfältig genug vorbereitet wurde und deshalb Hilfe erwartet wird. Strukturierung des Lernstoffes in klare Einheiten und ein mehrfaches Durchspielen der Prüfungssituation mit echten Fragen bringt Sicherheit. Auch das Wörtchen „da“ enthält eine Menge Information über die Gefühle des Prüflings. Wo ist dieses „DA“? Die Prüfungssituation sollte also in jedem Fall konkretisiert werden. Wo findet die Prüfung statt? Ist der Raum bekannt? War der Prüfling schon einmal dort? Kennt er den Prüfer? Wie sieht er aus? Was oder Wer befindet sich noch in dem Raum? Was ist dort zu hören, zu riechen oder sonst noch wahrzunehmen? Mit diesen zusätzlichen Informationen kann nun die Prüfung in einer tiefen Entspannung mental erlebt werden. Meist ist der „riesige Prüfungsstress“ damit auf ein „bisschen Aufregung“ reduziert.

Fremdsprache

Eine weit verbreitete Unsitte bei der Kommunikation ist das HÄUFIGE Verwenden von Floskeln in einer Fremdsprache. Wenn Sie dieses Verhalten bei sich selbst bemerken, sollten Sie es abstellen. Bemerken Sie es dagegen bei Ihrem Gesprächspartner kann es Ihnen viele zusätzliche Informationen liefern. DAS ist dann auch der Grund, es bei sich selbst zu tilgen.

„Erare humanum est!“

Diesen Satz haben Sie sicherlich schon oft gehört. Weshalb wurde er gebraucht? Ihr Gesprächspartner hätte auch sagen können: „Irren ist menschlich!“ Mit dem lateinischen Satz bringt er allerdings noch zum Ausdruck, er könne lateinisch und möchte gebildet wirken. Durch diesen Zusammenhang wird die ursprüngliche Bedeutung des Gesagten ins Gegenteil verkehrt. Ursprünglich war die Bedeutung: „Es ist in Ordnung! Jeder macht mal einen Fehler!“ Jetzt wird mitgeteilt: „Wenn der so schlau wäre wie ich, wäre das nicht passiert!“

Heutzutage wird auch gerne ein, „So what?!“, angehängt. „Ich kann halt nicht jeden Abend ins Fitness-Studio. So what?!“ Hier könnte der Anhang dieselbe Bedeutung haben wie die Hand, beim Reden, an den Mund zu führen. Der Sprecher ist sich nicht ganz sicher oder verzerrt die Wahrheit. Ein angehängtes „Na und?“ wäre auch möglich gewesen. Das wäre allerdings für JEDEN klar verständlich gewesen und hätte tatsächlich die Bedeutung von: „Das ist mir doch egal!“ In Zusammenhang mit der Eigenschaft „JEDEN Abend…“ wird dann deutlich, dass sich der Gesprächspartner sehr unsicher ist und vermutlich schon gerne etwas für seine Figur tun würde. Es ist nämlich gerade NICHT nötig, JEDEN Abend ins Studio zu gehen. Zwei Abende täten es auch. Die Übertreibung und der fremdsprachliche Ausdruck geben dem Sprecher allerdings eine Deckung. Und es ist ihm offensichtlich alles andere als egal, ob er etwas für seine Fitness tut, oder eben nicht.

„Der Blick“

Wer wird beim Reden angeschaut? Wer wird nach dem Reden angeschaut? Wie schnell wird die Blickrichtung gewechselt?

Diese Fragen geben Aufschluss darüber ob der Redner standhaft ist. Das schnelle, fast ruckartige, ändern der Blickrichtung kann nämlich ein Umschauen nach Verstärkung sein. Sie kennen sicher die Situation im Supermarkt. Jemand steht an der Kasse zum Bezahlen und in der Schlange stehen noch weitere Leute. Jetzt möchte unser Jemand gerne eine witzige Bemerkung zu der Dame an der Kasse machen. Er sagt etwas und dreht sich ruckartig zu der Warteschlange um und schaut einen der Wartenden an, und lächelt. Es ist stark anzunehmen, dass unser Jemand sehr unsicher ist, ob seine Bemerkung wirklich lustig ist und so schaut er sich um, ob ihm beigepflichtet wird. Er sucht Verstärkung. Bei großer Unsicherheit ist dieses Verhalten oft zu beobachten.

Viele Menschen schließen auch beim Reden die Augen. Möglicherweise kennen Sie das. Ihr Gesprächspartner erzählt Ihnen von einem schwierigen Arbeitskollegen. Die beiden hatten ein konfliktreiches Gespräch. Bei der Erzählung kommt nun irgendwann der Punkt, an dem Ihr Gesprächspartner seinem Kollegen „mal so richtig die Meinung“ gesagt hat. Und bei diesem Teil der Geschichte schließt er die Augen und die Lider zittern.

Weshalb schließen wir die Augen?

Na, z.B. weil wir etwas nicht sehen wollen. Und genau dies könnte hier der Fall sein. Der Sprecher möchte das Gesagte nicht sehen. Die gesamte Situation ist ihm sehr unangenehm und er ist unsicher. Möglicherweise glaubt er sogar, keiner außer ihm, würde für wahr halten, was er gesagt hat. Hinter dem Schließen der Augen, während des Redens, steckt extreme Unsicherheit.

Fragen

Jeder weiß es. Fragen sind das Wichtigste am Gespräch. Und… kaum einer tut es. Kaum einer stellt Fragen in einem Gespräch. Und wenn sie gestellt werden, wird häufig gleich noch selbst die Antwort gegeben. Das spart natürlich Zeit. Und damit gehe ich selbstverständlich auch einer unliebsamen Antwort aus dem Weg. Mit dem Sinn einer Frage hat das freilich wenig zu tun.

Sie alle kennen diese Zeitgenossen, die mitten im Monolog eine Frage stellen und postwendend selbst beantworten. Meist sind diese Leute auch der Hellseherei mächtig und tun das mit einem: „Ich weiß was Du sagen willst!“ kund. Das „Du“ müsste hier allerdings klein geschrieben werden. Es ist nämlich als Respektsbezeugung gedacht und Menschen, die ihre Fragen selbst beantworten, haben keinen Respekt, zumindest nicht vor ihrem Gesprächspartner.

Stellt Ihr Gegenüber Fragen, wartet die Antwort ab und bezieht diese dann in seine Rede ein, können Sie davon ausgehen, dass er sich mit dem Thema schon beschäftigt hat. Oder er hat zumindest sehr großes Interesse an dem Gesagten.

Jetzt könnten Sie auf den Gedanken kommen, das sei doch selbstverständlich. Weit gefehlt! Hören Sie ihren Gesprächspartnern einmal aufmerksam zu und es kommen viele selbst beantwortete Fragen ans Licht.

Fragen öffnen nach außen und können somit einen Hinweis auf ein Thema geben mit dem sich der Fragesteller gut auskennt. Er möchte, vielleicht unbewusst, auf sein Wunschthema lenken und sein Wissen offenbaren. Aus den Fragen lässt sich in einem ungezwungenen Gespräch oft mehr Information sammeln als aus den Antworten.

Anhänge

Satzanhänge bekommen wir ebenfalls häufig zu hören.

„Dem hab ich aber die Meinung gesagt, ja!“ Statt „ja“, können wir auch „ist doch wahr“ oder „ehrlich“ setzen. Die Wirkung bleibt dieselbe. Beim aufmerksamen Zuhören entsteht sofort der Eindruck, dass es wohl nicht so gut funktioniert hat mit dem „Meinungsagen“. Ein angehängtes „ja“ ist eine Bestätigung dessen, was gesagt wurde. Weshalb bestätigt sich der Redner denn selbst? Es ist anzunehmen, er hat es nötig. Entweder war die Aussage also banal, oder eben doch nicht so toll wie vorgestellt. Der Redner glaubt es sich offensichtlich selbst nicht so richtig.

Ein „ehrlich“ am Satzende ist dabei als Höhepunkt zu werten.

„Den Bericht habe ich Gestern fertig gemacht, ehrlich!“

Wie, ehrlich? Demnach war dann alles was vorher gesagt wurde nicht ehrlich, also gelogen. Vermeiden Sie es unbedingt solche Satzanhänge zu benutzen. Sie kommen sehr gut ohne aus. Sie sind überzeugt von dem was Sie sagen und es entspricht der Wahrheit. Mit dieser Einstellung brauchen Sie kein selbstbestätigendes „ja“ in Ihren Sätzen.

Ebenfalls ein Klassiker ist das, immer wieder gern genommene, „Wie gesagt…“ Dieser kleine Ausdruck treibt Scharen von Gesprächspartnern in den Wahnsinn. An Zuhören ist dabei gar nicht zu denken, denn es wird sich unablässig gefragt: „WANN?“

Meist wird der erste Satz in dem Gespräch schon so begonnen.

„Wie gesagt, wir müssen noch die Präsentation fertig machen!“ Und der Angesprochene fragt sich, wann das gesagt wurde. Das Gespräch hat eben erst begonnen. Gerade in Radiosendungen ist dieses Phänomen sehr gut zu beobachten. In der Sendung darf ein Anrufer vor tausenden interessierten Zuhörern berichten, welch bewegendes Ereignis es war, als dem Karl beim örtlichen Feuerwehrfest das Bier umgefallen ist. Und der Anrufer beginnt seine Erzählung mit: „Wie gesagt, wir saßen am Tisch…!“ Nein, er hat es eben noch nicht gesagt. Er ist nur total unsicher und nervös. Und damit er sich etwas sicherer wird und sich selbst glauben macht, es sei wichtig was er erzählt, hat er es eben schon mal erzählt. Mit dem Zusatz „wie gesagt“ soll das Gesagte aufgewertet werden und lässt dadurch natürlich die Unsicherheit des Redners erkennen.

Bei all den Beispielen ist es gleichgültig, ob Sie jemand anderen unterstützen wollen oder sich selbst beobachten. Meist ist es natürlich einfacher von einem externen Beobachter auf sprachliche Marotten aufmerksam gemacht zu werden, als sie selbst zu entdecken. In jedem Fall können Sie durch aufmerksames Zuhören viel über Ihren Gesprächspartner erfahren, wenn Sie nicht nur auf die Worte hören, sondern auch darauf, wann und wie sie gesagt werden. Der Kontext des Gesagten gibt meist mehr preis als die reine Sachinformation der benutzten Worte.

1 Kommentar

  1. WAHNSINN!!!! ICh habe ein Grinsen im GEsicht.

    Toll. Wenn man das hier so liest, dann fällt einem das erst mal so richtig auf und es hilft einem schon direkt weiter.

    Gibt es LIteratur von IHnen über Motivationstraining, usw.?

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