Die Macht der Worte … im Mentaltraining

„Das Bild ist die Mutter des Wortes“, sagte Hugo Ball, (1886 – 1927), deutscher Schriftsteller und Kulturkritiker.
An Mentaltraining dachte Hugo Ball sicher nicht. Trotzdem sollten wir diesen Ausspruch bedenken, wenn wir das nächste Mal zu jemandem sagen:

„Tu das NICHT!“.

Der so Angesprochene wird sich jetzt ganz automatisch ein Bild von dem machen was er gerade gehört hat. Unser Unterbewusstsein versteht und kennt nur Bilder. Folglich macht es sich jetzt zunächst einmal ein Bild von dem, was ja gerade NICHT getan werden soll.

Wer kennt nicht den Spruch: „Denken Sie jetzt nicht an einen rosa Elefanten!“? Natürlich denken wir zunächst alle an diesen etwas seltsamen Elefanten, um ihn dann zu löschen. Allerdings denken wir eben zunächst an ihn. Das Bild entsteht. Wir haben genau das Gegenteil von dem erreicht, was wir zu erreichen gehofft hatten. Im Mentaltraining ist es wichtig, genau hier anzusetzen.

Die Mutter sitzt mit dem kleinen Kind am Tisch , das wild gestikulierend und aufgeregt von den Erlebnissen des Tages berichtet. Selbstverständlich stehen mehrere Dinge auf dem Tisch. Die Mutter ist besorgt und weist den kleinen Erzähler an: „Wirf das Glas nicht runter!“…

Sie können sich den Ausgang dieser Geschichte sicher in den buntesten Farben ausmalen. Natürlich wissen Sie aus Ihrer eigenen Kindheit oder aus täglichen Tragödien in den Cafés dieser Welt… der kleine Dramatiker wirft das Glas direkt nach der Ermahnung vom Tisch.

Das Glas war sein „rosa Elefant“. Das Erste, was er nach dem Hinweis der Mutter verstanden hat, war, er solle das Glas vom Tisch werfen. Wir haben ja gesehen, dass das Wörtchen „nicht“ erst danach zur Geltung kommt, indem wir das Vorgestellte wieder wegschieben.
Oder eben auch nicht, wie tausende von zerbrochenen Gläsern täglich beweisen.

Die Sprache beim Coaching, und welche Worte dabei benutzt werden, ist natürlich von großer Bedeutung für den positiven Ausgang. Dabei spielt es keinerlei Rolle, ob Sie mit jemandem arbeiten oder sich selbst coachen möchten. Auch bei alltäglichen Dingen in der Arbeitswelt, wie z.B. Kritik, spielt die Wahl der Worte eine gewichtige Rolle.

„Frau Schulte, so können Sie den Brief sicher nicht wegschicken!“

Prima! Jetzt weiß Frau Schulte zumindest schon einmal was sie NICHT kann. Wirklich geholfen ist ihr damit freilich wenig.
Vielleicht helfen wir Frau Schulte mehr, wenn wir ihr sagen was uns wichtig ist.

„Frau Schulte, schreiben Sie bitte noch den Absender auf den Brief und schicken ihn dann weg!“

Wir neigen dazu, bei Kritik die Dinge zu nennen, die uns stören, und fordern dann diese einzustellen. Leider vergessen wir dabei oft zu erwähnen welches Verhalten wir für besser halten. Wenn wir dem Kritisierten gleich noch eine Lösung bieten, wird er sicher empfänglicher für unsere Nachricht. Jetzt weiß er ja auch, was er tun kann. Oftmals verhält er sich ja „falsch“ weil er es eben nicht besser weiß.

Schauen wir uns doch fünf dieser negativ wirkenden Wörter, die täglich den Eingang in unsere Sprache finden einmal etwas genauer an!

Aber

Dieses unscheinbare Wörtchen genießt schon seit unserer Kindheit ein recht zweifelhaftes Image.

„Wir gehen Eis essen…“. „Hurra!“ dachten wir im zarten Alter von fünf Jahren. „Jetzt hau ich mir den Bauch mit jeder Menge Eis voll…“ …„aber vorher räumst Du Dein Zimmer auf!“ Peng! Dieser Nachsatz ließ sofort jeglichen Traum von Eiskugeln so groß wie Fußbälle zerplatzen. Selbst mit fünf Jahren erkannten wir den Haken an der Sache mit dem verlockenden Angebot.

„Aber“ lässt uns den ersten Teil des Satzes sofort in einem anderen Licht erscheinen. Selbst wenn dieser Teil sehr positiv war, wird er durch das Verbindungswort ausgelöscht oder, noch schlimmer, negativ. Die Aussage vor dem „aber“ wird augenblicklich schlecht dargestellt. Sie wird sehr stark geschwächt und damit überflüssig. Wir hätten uns den ersten Teil der Aussage schlichtweg sparen können.

Wenn wir also keine anderen sprachlichen Kniffe anwenden wollen sind zwei einzelne Sätze immer noch besser als dieses teuflische „aber“, das so unscheinbar daherkommt.

„Räum doch schnell noch Dein Zimmer auf!“
…“Wir wollen danach Eis essen gehen!“

Wir sehen uns als 5-Jährige förmlich schon durchs Zimmer flitzen und die Schubladen mit den umher liegenden Spielsachen vollstopfen. Die beiden Sätze motivieren.

 Eigentlich

„Eigentlich ist eigentlich überflüssig!“

Aha! Ist es nun überflüssig oder nicht?

Und wir bekommen prompt zur Antwort: „Naja, eigentlich bin ich mir nicht ganz sicher ob „eigentlich“, eigentlich überflüssig ist.“

Sehr gut! Der Redner ist sich also nicht ganz sicher, ob er sich nicht ganz sicher ist… Spätestens jetzt weiß man als Zuhörer nicht mehr was man dem Sprecher denn überhaupt noch glauben kann.

Das Wort „eigentlich“ birgt ebenfalls eine große Gefahr für die Kommunikation. Wer es benutzt wirkt unsicher und macht sich dadurch unglaubhaft. Gerade wenn Sie, wie beim Mentaltraining, jemanden unterstützen, sind schwächende Worte eine Todsünde. Dabei ist es völlig gleichgültig, ob Sie eine andere Person unterstützen oder an sich selbst arbeiten möchten. Vermeiden Sie in jedem Fall das Wort „eigentlich“! Lassen Sie es weg! Streichen Sie es aus Ihrem Wortschatz!

Deshalb wollen wir es auch außer in diesem Teil und am Ende des Manuskripts nicht sehen.

Versuch

„Ich habe schon 100 mal versucht mit dem Rauchen aufzuhören!“. Den Satz kennt jeder, der jemals einen Raucher auf dieses Laster angesprochen hat.

Er hat versucht mit dem Rauchen aufzuhören. Da kommt doch unwillkürlich die Frage in einem hoch…“Weshalb hat er es nicht getan?“

Das Problem an der Aussage mit dem „Versuch“ ist, dass durch den Gebrauch des Wortes in unserem Unterbewusstsein schon das Misslingen eingeplant wird. Das Vorhaben wird ja nur versucht. Genau genommen liegt also das Gewicht der Aussage gar nicht auf der Tätigkeit, z.B. mit dem Rauchen aufzuhören. Das Gewicht liegt auf dem Versuchen. Es wird von vornherein festgestellt, dass etwas „ver“ – sucht wird. Die Vorsilbe „ver“ hat eben oftmals die Bedeutung von „falsch“, wie z.B. in „ver“lesen. Jemand hat sich also „ver“-sucht und nichts gefunden.

Obwohl das Wort vom Sprecher, dem Sender, oftmals positiv gemeint ist entwickelt es beim Zuhörer, dem Empfänger, eher negative Gefühle. Und auch hierbei ist es wieder völlig unerheblich, ob jemand Anderes der Empfänger ist oder Sie selbst. Bei einem Selbstgespräch ist daher der Gebrauch des Wortes „Versuch“ in all seinen Ausprägungen gut zu überdenken.

Einfach

Auch dieses Wort wird vom Sender meist wohlwollend ausgesprochen. Der Empfänger soll damit motiviert werden. Er soll den Eindruck bekommen, dass er die erwartete Leistung mit Leichtigkeit erbringen kann. Der Sender möchte mit dem Wörtchen „einfach“ klar machen, dass er es dem Empfänger durchaus zutraut, das Ziel zu erreichen.

Und auch hier kann es zu erheblichen Missverständnissen kommen.

Erinnern Sie sich doch einmal, wann Sie das letzte Mal jemanden mit „einfach“ zu etwas motivieren wollten. Vermutlich hatte derjenige vorher schon ein oder zwei fehlerhafte Anläufe. Meist kommt nämlich erst nach einer Fehlleistung das „einfach“ ins Spiel. Im Grunde wird hier deutlich, dass der Sender nicht mehr weiter weiß. Es ist ihm offensichtlich nicht möglich, die erwartete Leistung mit anderen Worten zu umschreiben und dem Empfänger somit den Zugang zu ermöglichen. „Einfach“ bringt also auch etwas über den Sender ans Licht.

Und der Empfänger kann durch dieses Wort ebenfalls in seiner Leistung stark negativ beeinträchtigt werden.

Er hört und versteht möglicherweise, es sei ganz einfach, das gewünschte Ergebnis zu erzielen. Und bei der Ausführung stellt er für sich persönlich fest, dass es ganz und gar nicht einfach ist. Er empfindet es vielleicht sogar als sehr schwer.
Als Folge dieses Missverständnisses kann der Empfänger sehr schnell entmutigt werden und dadurch in seiner Leistung noch weiter absinken.

„Na siehst Du, war doch ganz einfach!“

Auch diese Aussage ist meist aufmunternd gemeint und erreicht möglicherweise genau das Gegenteil. Der Empfänger solch einer Botschaft hat vielleicht drei Anläufe gebraucht um das Ziel zu erreichen und bekommt jetzt zu hören es sei doch ganz einfach. Hier könnte man jetzt fast schon in Versuchung geraten das Wort „eigentlich“ zu benutzen. Derjenige, der die Leistung erbracht hat, denkt nämlich dann: „Ich hab hier alles gegeben und habe drei Anläufe gebraucht und höre jetzt, dass es EIGENTLICH ganz einfach ist.“ Die Folge wird Niedergeschlagenheit sein.

Mit dem Wort „einfach“ sollten wir sehr sparsam umgehen!

Nicht

Der Klassiker unter den Worten mit denen wir meist genau das Gegenteil von dem erreichen, was wir erreichen wollen ist: „Nicht“.

Wie wir bei dem Beispiel mit dem aufgeregt erzählenden Kind und dem Glas auf dem Tisch gesehen haben, hat unser Unterbewusstsein so seine Probleme, das Wort „nicht“ zu verstehen. Unser Unterbewusstsein arbeitet eben zum größten Teil mit Bildern. Auch die Sprache wird eben meist in Bilder, Töne, Gerüche usw. übersetzt.

„Klaus hat seinen Ball.“

Die meisten Menschen sehen sofort einen kleinen Jungen mit einem Ball in der Hand. Interessanterweise ist dieser Klaus immer ein kleiner Junge und nie ein Erwachsener. Und meist hält er den Ball in der Hand. Was wohl damit zusammenhängt, dass wir diesen Satz noch aus unserer Kindheit kennen. Fast jeder hat ihn gesehen als er das Lesen erlernte. Und damals war ein Klaus eben ein kleiner Junge, wie wir selbst. In jedem Fall entsteht sofort ein Bild, wenn wir den Satz lesen oder hören.

„Klaus hat seinen Ball nicht.“

Und was sehen Sie nun?

Viele Menschen sehen jetzt zunächst den kleinen Klaus mit Ball und wie dieser Ball dann verschwindet. Auch hier kommt es meist zu einem netten Nebeneffekt. Bei den meisten Menschen, die diesen Satz lesen, ändert Klaus nämlich auch plötzlich seinen Gesichtsausdruck. Er wird traurig.

Hier haben wir ein deutliches Zeichen dafür, dass wir mit dem „nicht“ Schwierigkeiten haben. Wir stellen uns eben gerade zunächst das vor, was eben gerade NICHT sein soll. Und wenn auch bei Ihnen der kleine Klaus seine Stimmung ändert wissen Sie weshalb das Glas nach der Aufforderung es NICHT hinunterzuwerfen, meist eben gerade doch auf dem Boden landet.

„Das Bild ist die Mutter des Wortes“

Egal ob Sie jemand anderen unterstützen möchten oder an sich selbst arbeiten. Gleichgültig ob Sie mit einem Partner reden oder mit sich selbst. Es ist wichtig auf die gebrauchten Worte zu achten. Wir haben erlebt, dass manche Worte die gewünschte Wirkung genau ins Gegenteil ziehen. Achten Sie also darauf, wie Sie mit sich und anderen reden! Möglicherweise können Sie mit dieser kleinen Auflistung schon eine Menge Nutzen für sich ziehen. Benutzen Sie die Wörter bewusst oder noch besser vermeiden Sie „aber“, „eigentlich“, „Versuch“, „einfach“ und „nicht“ wo immer es geht.

Sie erreichen sehr viel für sich, wenn Sie Ihre Sprache bewusst für sich einsetzen.