Gesprächskiller

Das hat jeder schon einmal erlebt. Sie unterhalten sich mit jemandem und alles läuft wie von selbst. Ein anderes Mal reden Sie mit jemand anderem und die Unterhaltung kommt immer wieder ins Stocken, bis sie irgendwann voreinander sitzen und sich anschweigen. Manche Gespräche fließen völlig natürlich dahin. Es wird flüssig geredet, beide Seiten bringen sich ein und fühlen sich wohl; während sie sich unterhalten. Bei anderen fühlen wir uns unwohl und möchten am liebsten weggehen.

Woran liegt das?

Eine Möglichkeit, weshalb ein Gespräch stecken bleibt, kann sein, dass Killerphrasen benutzt werden. Solche Phrasen können in vielfältigem Gewand auftreten. Viele dieser Gesprächskiller werden in der Alltagssprache allzu häufig benutzt und sind vielen Menschen deshalb schon in Fleisch und Blut übergegangen. Leider werden sie vor allem bei der Kommunikation mit Kindern oft benutzt. Dummerweise sind das die Erwachsenen von morgen. Es ist leicht, sich auszumalen welche Phrasen sie dann benutzen.

Schauen wir uns einige dieser störenden Gesprächstechniken etwas genauer an. Möglicherweise fällt es Ihnen dann leichter sie im Gespräch zu erkennen und gegen zu steuern.

Nominalisieren

Ein unauffälliger Gesprächskiller kann sein, die Verben im Satz zu Hauptwörtern zu erheben, das Nominalisieren (…womit es schon passiert ist). Durch das Tilgen der Verben wird die Sprache unbeweglich. Es bewegt sich nichts. Der Zuhörer erinnert sich unbewusst an unser geliebtes Beamtendeutsch. Und wer findet einen Brief von einer Behörde schon spannend? Ein guter Hinweis für diese Störer ist die Endsilbe „-ung“. Sollten Sie planen ein Wort mit dieser Endung zur Benutzung bringen zu wollen – vergessen Sie es wieder. Natürlich möchten Sie Wörter, die mit „-ung“ enden weniger benutzen. Und das hört sich ja auch weitaus lebendiger an und fordert auf zuzuhören.

Bewerten

Ein Gespräch kann sehr häufig durch Bewerten einer Aussage zum Erliegen gebracht werden. Oft sind diese störenden Sätze sogar wohlwollend gemeint und erreichen dann beim Gesprächspartner genau das Gegenteil des Erwünschten. Das Gespräch ist beendet oder artet in ein Streitgespräch aus.

„Es gibt Schlimmeres!“
„Das sind doch Kleinigkeiten!“
„Naja, so schlimm wird es ja nicht sein!“

Diese Äußerungen lassen in dem Gesprächspartner leicht das Gefühl aufkommen, was er empfindet sei für den anderen unwichtig. Stellt Ihr Gesprächspartner so etwas fest, führt das schon fast zwangsläufig dazu das Gespräch zu beenden.

Selbst wenn Sie bemerken: „Mach Dir keine Sorgen!“, lässt das im Empfänger den Eindruck entstehen, seine Sorgen, die er nun einmal hat, würden von Ihnen als Kleinigkeit empfunden. Die Folge ist ein Vertrauensverlust. Denn die Sorge löst bei demjenigen, der sie hat, Gefühle aus. Und diese Gefühle sagen ihm, dass es, zumindest momentan, ein großes Problem ist. Zudem hätte er wohl kaum davon berichtet, wenn er es für unwichtig halten würde.

Bewertende Aussagen in einem Gespräch haben fast immer einen Vertrauensverlust zur Folge, wenn der Andere starke Gefühle damit verbindet. Er fühlt sehr stark und bekommt von seinem Gesprächspartner vermittelt es wären Kleinigkeiten. Das ist in einem erregten Zustand schwer zu glauben.

Vorwürfe machen

Es ist fast schon eine Binsenweisheit, dass Vorwürfe ebenfalls schnell dafür sorgen können das Gespräch erlahmen zu lassen oder zu einem Streitgespräch ausufern zu lassen. Trotzdem werden sie in alltäglichen Unterhaltungen allzu häufig benutzt.

„Sie hätten das doch wissen müssen“
„Warum bist Du nie pünktlich?“
„Warum hast Du dies und jenes nicht getan?“

All diese Äußerungen sind in die Vergangenheit gerichtet. Der Gesprächspartner wird gezwungen sich zu rechtfertigen. Dadurch gerät er natürlich unter Druck. Eine schlechte Basis für ein entspanntes Gespräch. An dieser Stelle wäre es weitaus förderlicher sich gemeinsam Gedanken zu machen, wie die Zukunft besser zu gestalten ist. Vorwürfe zwingen den Partner in die Defensive. Da kann man schon fast von einem Gegner reden, statt von einem Partner. Vorwürfe tauchen durchaus auch im belanglosen Smalltalk auf und können diesen ins Stocken bringen. Dabei können sie gut versteckt sein.

„Aha! Woher wissen Sie das denn?“ Das kann vom Sender durchaus benutzt worden sein, um sein Interesse zu äußern. Beim Empfänger kann dabei sehr schnell der Eindruck entstehen für unglaubwürdig gehalten zu werden (Bewertung) und sich falsch informiert zu haben (Vorwurf). Eine solche Situation behindert sogar ein kleines Gespräch über Belanglosigkeiten.

Selbstverständlich sollten in einem Fachgespräch alle Aussagen sorgfältig recherchiert sein. Beim Smalltalk können wir unserem Gesprächspartner gerne ein paar Zugeständnisse machen. Er fühlt sich wohl und unser Gespräch läuft. Wir haben also beide etwas davon.

Verallgemeinern

Auch Aussagen, die verallgemeinern, können den Gesprächspartner sehr schnell in die Defensive bringen oder sogar verletzen.

„Das weiß doch jeder!“
„Das ist doch immer so!“
„Es endet doch immer so und so!“

Solche Phrasen können das Gespräch behindern, wenn es unser Gegenüber gerade eben nicht so empfindet. Möglicherweise hat er bestimmte Situationen völlig anders erfahren als wir und empfindet deshalb anders. Sehr schnell kann also auch hier ein Vertrauensverlust eintreten. Sind sich die Gesprächspartner einig, dass beispielsweise die Schlange, in der man vor der Einkaufskasse steht, „immer“ die langsamste ist, können solche Aussagen wiederum auch das Gespräch in Gang halten. Deshalb sollten wir sichergehen, dass bei einem Thema gleich empfunden wird, bevor wir verallgemeinern. Dann können wir einen angenehmen Dialog führen.

Gedankenlesen

Durch das „Gedankenlesen“ wird der Gesprächspartner ebenfalls sehr schnell verärgert oder sogar verletzt. Das führt dann selbstverständlich sehr schnell dazu das Gegenüber negativ zu stimmen. Daraufhin wird er das Gespräch sicherlich möglichst bald beenden wollen.

Es geht uns darum, uns flüssig zu unterhalten. Beide Seiten möchten sich dabei wohl fühlen. Seien wir also vorsichtig mit der Kunst des Gedankenlesens.

„Ich weiß, was Sie sagen wollen“

Der Partner wird sich fragen woher Sie das wissen. Und er wird verunsichert, denn er kann sich ja nicht sicher sein, ob Sie wirklich wissen, was er mit seiner Aussage rüber bringen wollte. Oftmals wird die Gedankenleserei sogar angewendet, bevor der Andere etwas gesagt hat. Das verärgert nun mit Sicherheit. Damit wird der Andere als untergeordnet behandelt. Er gewinnt automatisch den Eindruck unwichtig zu sein. Weshalb sollte er sich dann weiterhin mit Ihnen unterhalten?

Folgende Äußerungen machen das Gespräch sehr schnell zu einem Streitgespräch und sollten daher nur benutzt werden, wenn eben genau das Ihre Absicht ist.

„Sie glauben wohl (Gedankenlesen), ich merke nicht was hier vorgeht (Vorwurf)“
„Sie kommen offensichtlich mit der Belastung nicht zurecht (Gedankenlesen)“
„Das sagen Sie doch nur, weil… (Gedankenlesen)“

Selbstverständlich gibt es noch weitere Killerphrasen. Wenn Sie die hier genannten vermeiden oder wenigstens bewusst einsetzen, wird es Ihnen sicherlich leichter fallen einen entspannten Smalltalk zu halten oder sich mit einem Kollegen flüssig über den Geschäftsbericht zu unterhalten. In jedem Fall schaffen Sie ein positives Gesprächsklima, wenn Sie Killerphrasen aus Ihrem Sprachschatz entfernen.

Führen Sie positive Gespräche!