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Coaching & Training | Matthias Werner

Mentaltraining

Der Golfer tritt an den Ball heran, schaut nach unten und schließt die Augen. Er fasst seinen Schläger und schaut zur Fahne. Kurz darauf verändert er seinen Stand, trippelt auf der Stelle zwei-, dreimal, um gleich wieder auf den Ball zu schauen. Sein Blick ruht auf dem Ball. Jetzt schaut er erneut zur Fahne, wieder hinunter zum Ball, holt aus und schlägt den Ball mit traumwandlerischer Sicherheit.

Sie gehen eine Treppe hinauf. Möglicherweise denken Sie an den Feierabend und… stolpern. Die vierte Stufe war ein klein wenig höher als alle anderen. Der Unterschied beträgt wenige Millimeter. Und doch bleiben Sie an der kleinen Kante hängen.

Was haben diese beiden Situationen gemeinsam?

Das Unterbewusstsein!

Beim Treppensteigen greift unser Unterbewusstsein auf die bisherigen Erfahrungen zurück. Wir müssen natürlich nicht mehr überlegen wie man eine Treppe hochgeht. Wir haben das schon einige tausendmal getan. Für uns steht fest, dass jede Stufe gleich hoch ist. Wir denken beim Treppensteigen an etwas völlig anderes und das Unterbewusstsein tut das Nötige. Unser ganzes Leben funktioniert so. An die Atmung brauchen wir nicht bewusst zu denken. Unser Herz schlägt auch ohne eine willentliche Steuerung und auch die Verdauung funktioniert ohne dass unser Bewusstsein daran beteiligt ist.

Denken wir ans Radfahren. Haben wir es einmal gelernt und fleißig geübt brauchen wir uns keine Gedanken über unser Gleichgewicht zu machen. Ja sogar beim einfachen, aufrechten Stehen machen wir jede Sekunde hunderte von kleinen Bewegungen um nicht umzufallen. Sobald wir uns dann allerdings bewusst um unser Gleichgewicht kümmern bekommen wir Probleme.

Machen wir ein kleines Gedankenexperiment.

Stellen Sie sich vor, Sie sollen über ein etwa 30 cm breites Brett gehen.

Kein Problem!

Stellen Sie sich jetzt bitte vor, Sie sollen über ein 30 cm breites Brett gehen… in 100 Metern Höhe.

Vermutlich würden Sie die Arme ausbreiten und um Ihr Gleichgewicht kämpfen. Weshalb, es ist dasselbe Brett?

Ein anderes Beispiel.

Beschreiben Sie doch einmal wie Sie von einem Stuhl aufstehen. Das tun Sie jeden Tag einige Dutzend Mal. Und mit Sicherheit sind Sie kaum in der Lage zu beschreiben was genau Sie tun um sich von einem Stuhl zu erheben.

Mentale Fähigkeiten

Was hat das nun alles mit unserem Golfspieler vom Anfang zu tun?

Er nutzt die Fähigkeit seines Unterbewusstseins bestehende Bewegungsmuster automatisch ablaufen zu lassen. Einige tausendmal hat er einen Schlag ausgeführt. Immer wieder hat er im Training seine Abläufe verbessert und Erfahrungen gesammelt. Schafft er es nun sich in denselben geistigen Zustand wie beim Treppensteigen zu versetzen dann läuft der Schlag automatisch ab. Seine Bewegungen sind perfekt aufeinander abgestimmt. Und von außen betrachtet gewinnt man den Eindruck, der Spieler schlägt mit Leichtigkeit und wie in Trance.

Sportler sprechen hier gerne von der Zone oder dem Flow.

In diesem Zustand erledigen wir komplexe Handlungen mit spielerischer Leichtigkeit und verschwenden dabei keinen bewussten Gedanken an die Handlung selbst. Entscheidungen werden hier exakt und sicher getroffen.

Unser Golfspieler hat gelernt sich in diesen Zustand zu versetzen und seinem Unterbewusstsein die Kontrolle zu überlassen. Die Bewegungen werden auf einmal selbstverständlich, fast unwichtig. Er hat neben den Schlägen auch seine mentalen Fähigkeiten trainiert und weiterentwickelt.

Keine Magie

Und Mentaltraining ist dabei weitaus mehr als bei der Morgentoilette ein paar Zauberformeln zu sprechen, die am Spiegel hängen, anschließend, debil grinsend, über glühende Kohlen zu hüpfen und schon stellt sich der Erfolg von alleine ein.

Das ist natürlich Unsinn. Mentaltraining ist, wie der Name uns ja bereits verrät, TRAINING.

Erstaunlicherweise haben viele Menschen genau mit diesem Punkt ein Problem. Leistungssportler zum Beispiel trainieren täglich ihren Körper. Sie üben Techniken, verbessern ihre Bewegungsabläufe und fühlen sich dabei gut. Den Körperteil, der ihnen das alles erst ermöglicht, das Gehirn, trainieren sie allerdings nicht. Spricht man sie auf mentales Training an, kommen Antworten wie : „So etwas brauche ich nicht. Das kann ich auch so.“ Zunächst mal wäre zu klären: WAS genau kann er auch so? Denn die meisten Menschen haben schlicht eine falsche Vorstellung davon was Mentaltraining ihnen bietet.

Bei manchen Sportlern wird es als Zeichen von Schwäche angesehen ihre mentale Seite zu schulen. Dieselben Sportler finden es allerdings nur natürlich ihren Körper zu schulen. Sie erkennen mit Begeisterung an, dass sie ihrem Körper neue Bewegungsabläufe beibringen müssen. Auch den Muskelaufbau durch Krafttraining halten sie für unbedingt notwendig und er wird sogar noch als Spaß empfunden. Bei den geistigen Ressourcen wird dann ebenso strikt davon ausgegangen, das diese einfach von Geburt vorhanden sind.

Es ist doch nur logisch, dass der Geist gleichermaßen trainiert und geschult werden muss wie der Körper.

Vorbereitung auf mentale Anforderungen

Durch das körperliche Training bereiten sich die Athleten auf die neuen Anforderungen im Wettkampf vor. Und genauso muss natürlich auch unser mentales System auf die neuen Anforderungen vorbereitet werden. Werden beide Seiten trainiert ist das gesamte System, Körper und Geist, natürlich weitaus leistungsfähiger als bei einem einseitigen Training.

„Ich bin ein Kämpfer! Ich beiß mich überall durch! Mentaltraining brauch ICH nicht!“

Auch diesen Satz kann man manchmal im Zusammenhang mit Mentaltraining hören. Schauen wir uns diese Aussage doch einmal genauer an.

Was macht denn einen Kämpfer aus? Geistige Stärke ist doch ein Merkmal eines Kämpfers. Diese Eigenschaft muss natürlich auch trainiert und ausgebildet werden. Eine Aussage wie diese weist geradezu auf die Notwendigkeit mentalen Trainings hin.

Der nächste Satz unseres „Kämpfers“ ist ebenfalls interessant. Wenn er sich nämlich durchbeißen muss bedeutet das, er verbraucht Energie. Diese Energie könnte er sinnvoller an anderer Stelle einsetzen. Die Kraft, die für das „Durchbeißen“ vergeudet wird, fehlt natürlich an anderer Stelle. Wird der Geist trainiert entfällt das „Durchbeißen“ und er handelt mit spielerischer Leichtigkeit. Die gesparte Energie steht als Reserve zur Verfügung. Das bedeutet einen riesigen Vorteil im Wettkampf oder eben im täglichen Handeln, bei beruflichen Entscheidungen.

Wird der Geist in demselben Maß trainiert wie der Körper, macht uns das insgesamt weitaus leistungsfähiger. Die Zusammenarbeit der einzelnen Komponenten wird aufeinander abgestimmt. Techniken werden sauberer und benötigen weniger Krafteinsatz. Durch mentales Training werden alltägliche Schemata wie beim Treppensteigen geschaffen. Diese stehen bei Bedarf automatisch zur Verfügung. Ebenso können ungewünschte Muster und Verhaltensweisen aufgebrochen und verändert werden. Situationen im Alltag oder im Wettkampf werden schneller als zusammenhängendes Muster erkannt. Jetzt kann rascher reagiert werden, da nicht jedes Detail einzeln analysiert wird. Möglicherweise kann sogar schon gehandelt werden BEVOR sich eine problematische Situation aufbaut.

Aufbau des Mentaltrainings

Wie kann man sein mentales System trainieren? Was können Sie konkret tun um mental leistungsfähiger zu werden?

Es stehen, grob aufgeteilt, drei Werkzeuge zur Verfügung, die geschult werden sollten.

• Motivation
• Sprache
• Entspannung

Auf diese Bestandteile wird in den folgenden Artikeln selbstverständlich genauer eingegangen. Es werden konkrete Tipps und Verhaltensweisen gegeben, die in den Alltag eingebaut werden können. Sie werden einige Möglichkeiten kennenlernen wie Sie ihr eigenes Mentaltraining gestalten können.

Um mit der Motivation richtig arbeiten zu können, ist es natürlich enorm wichtig herauszufinden, weshalb etwas getan wird. Sie müssen feststellen welchen Vorteil Sie davon haben, wenn Sie ein Verhalten ändern. Wichtig ist, dass die Motivation für einzelne, genau definierte Einheiten ebenso aufgebaut wird, wie die Grundmotivation. Ähnlich ist es ja beim Konditionstraining. Die Grundkondition muss ebenso wie die spezifische Kondition aufgebaut werden. Ein Bestandteil alleine reicht nicht aus. Wir werden uns in den nächsten Beiträgen damit beschäftigen, wie Sie sich mit einfachen Techniken selbst motivieren können.

Die Sprache muss besonders aufmerksam trainiert werden. Im Alltag bilden sich sprachliche Angewohnheiten, die ausgeschaltet werden müssen. So hat sich zum Beispiel eingebürgert, selbst positive Ereignissen nicht als solche darzustellen sondern als NICHT negative. Es wird gesagt: „Das war nicht schlecht.“ Statt „Das war gut.“. Beschäftigt man sich mit dem Mentaltraining fällt einem recht bald auf, dass der Gebrauch des Wörtchens „nicht“ fast immer genau das Gegenteil von dem ausdrückt, was man erreichen möchte. Wer kennt nicht den Spruch: „Denken Sie nicht an einen rosa Elefanten!“. Um NICHT an diesen komischen Elefanten zu denken, müssen Sie eben gerade erst an ihn denken. Wir werden uns für Ihr Mentaltraining damit beschäftigen, weshalb das so ist und was Sie dagegen tun können.

Die Entspannung ist wohl der wichtigste Bestandteil des Mentaltrainings. Es spielt also eine wichtige Rolle Techniken zu erlernen und zu üben, die Ihnen eine schnelle Entspannung von Körper und Geist garantieren. Ist der Geist gelockert lässt sich sehr viel effektiver mit der Motivation und der Sprache arbeiten. In einem entspannten Zustand ist es dann möglich Handlungen vor dem geistigen Auge ablaufen zu lassen und zu verbessern. Alleine das intensive Vorstellen einer Handlung verbessert deren Ausführung. Voraussetzung dafür ist allerdings eine tiefe Entspannung, die es ermöglicht sich auf sein Unterbewusstsein zu konzentrieren.

Sie lernen also die wichtigsten Aspekte des mentalen Trainings kennen und können durch ein wenig Übung immer größere Erfolge erzielen. Schulen Sie Ihre geistigen Kräfte und nutzen Sie diese im Alltag.

Mentaltraining unterstützt Sie.

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