Sag mir Deinen Namen… und ich behalte ihn

Die Frau kommt auf Sie zu. Sie geben sich die Hand und stellen sich beide mit ihrem Namen vor. Bei der anschließenden Besprechung sitzt Ihnen die Frau gegenüber. Der duftende Kaffee steht genau vor ihr und Sie würden sich gerne eine Tasse eingießen. Wenn Sie jetzt nur noch wüssten, wie die Dame heißt. Sie wühlt nämlich gerade konzentriert in ihren Unterlagen und um an den begehrten Kaffee zu kommen, würde nur persönliches Ansprechen helfen. Sie haben sich den Namen nicht behalten und müssen jetzt eben warten, bis die nunmehr wieder unbekannte Frau, Sie zufällig ansieht.

Möglicherweise sagen Sie jetzt: „Ich kann mir halt keine Namen merken!“

„Sehr gut!“

Sagen Sie sich diesen Satz, am Besten, noch 50-mal laut vor und Sie werden Recht behalten!

Dass Sie sich keine Namen merken können ist selbstverständlich Unfug. Ganz im Gegenteil; Sie sind eine „Nameneinprägungsmaschine“.

Woher ich das weiß?

Wie hießen Ihre Mitschüler in der Grundschule? Wie hießen die Nachbarn in Ihrer Kindheit? Erinnern Sie sich an die Namen Ihrer Lehrer, Ihrer Freunde, den Freunden Ihrer Eltern?

Schreiben Sie all diese Namen auf und Sie werden sehen, dass Sie sicher weit über tausend Namen gespeichert haben, mit den dazugehörigen Gesichtern. Der Grund ist: Diese Menschen waren für Sie interessant und wichtig, oder sind es immer noch.

„Da war ich ja auch noch ein Kind. Das ist etwas völlig Anderes!“

Richtig!

Als Kinder haben wir eben nach dem Namen gefragt, wenn wir ihn nicht mehr wussten. Und niemanden hat es gestört. Wir haben die gewünschte Information erhalten. Und nach dem fünften Nachfragen hatten wir uns den Namen, ganz beiläufig, eingeprägt.

Heute, als Erwachsener, gilt schon das einmalige Nachfragen als peinlich. Deshalb lassen die meisten Menschen es gleich ganz. Allerdings verdrängen sie dabei die Tatsache, dass es noch weitaus peinlicher werden kann, den Namen nicht behalten zu haben.

Regel Nummer 1:

Fragen Sie nach dem Namen!

Die meisten Menschen nennen ihren Namen ohnehin bei der Begrüßung. Falls der Name nicht genannt wird oder Sie ihn nicht verstanden haben; FRAGEN Sie nach!

Möglicherweise hat Ihnen schon einmal ein Kind, ganz aufgeregt, von seinem „besten“ Freund erzählt. Und mit dem kann man ganz toll spielen und der kann ganz tolle Sachen und der ist von dem Baum gesprungen… „Und wie heißt er?“ haben Sie gefragt. „Keine Ahnung! Das ist doch egal!“ hat die kleine Lernmaschine geantwortet.

Stimmt! Das haben wir ja schon gesehen. Kinder fragen eben nach, wenn der Name doch einmal wichtig wird. Offensichtlich haben wir, wie so oft, das kindliche Verhalten mit ins Erwachsenenleben genommen. Nur, dass es uns heute unangenehm ist, mehr als einmal, nach dem Namen zu fragen. Wenn uns das allerdings peinlich ist, wäre es prima, ihn nach der Begrüßung zu kennen.

Regel Nummer 2:

Der Name des Gegenübers ist Ihnen wichtig!

Sie möchten Ihre Mitmenschen mit Namen anreden und es macht Ihnen Spaß, die verdutzten Gesichter zu sehen, wenn Sie es tun.

Damit kommen wir auch direkt schon zu…

Regel Nummer 3:

Sie sprechen Ihre Mitmenschen mit Namen an!

Wenn Ihnen das nämlich Spaß macht, tun Sie es auch gerne. Das ist die beste Methode, ihn zu üben. Selbstverständlich tun Sie das unaufdringlich und in angemessenem Rahmen.

Ich durfte mal bei einem Trainer-Meeting einen Kollegen kennen lernen, der uns alle, mindestens 20-mal am Tag, mit den Worten: „Matthias, richtig?!“ nervte. Für Matthias konnte man dann auch, Gabi, Jens, Fritz oder sonst einen Namen einsetzen. Am zweiten Tag wusste er unsere Namen; es hatte nur keiner mehr Interesse daran, mit ihm zu reden.

Regel Nummer 4:

Der Name ist wertvoll, behandeln Sie ihn auch so!

Wenn Sie den Namen der Menschen kennen, von denen Sie momentan umgeben sind, benutzen Sie ihn respektvoll. Damit machen Sie wieder deutlich, dass er Ihnen wichtig ist und Sie prägen Ihn sich spielend leicht ein.

In vielen Kursen wird geraten, den Namen zu verballhornen und ihn mit irgendwelchen auffälligen Merkmalen seines Inhabers zu verbinden.

Aus Herrn „Zwickelmann“, der einen Pickel am Kinn hat wird dann der „Herr Pickelmann“. Ich hab Leute erlebt, die dann zwar die lustige Version kannten, aber nicht mehr auf den richtigen Namen kamen. Ungeachtet dessen, kann es Ihnen in der Hitze des Gefechts passieren, dass ihnen Ihr Unterbewusstsein einen Streich spielt und Sie in einem unbedachten Augenblick, „Herr Pickelmann“ sagen. Das gehört zu den Dingen, die die Welt nicht braucht. Um so eine Technik zu benutzen bedarf es eines gehörigen Trainingsaufwands. Das ist meist gar nicht nötig, wenn wir ein paar einfache Regeln beherzigen.

Regel Nummer 5:

Sprechen Sie Ihren Gesprächspartner sofort mit dem Namen an!

Sobald Sie den Namen der Person verstanden haben, begrüßen Sie sie erneut.

„Guten Tag, Matthias Werner!“

„Guten Tag, mein Name ist, Peter Holzleiter!“

„Entschuldigen Sie, ich hab Ihren Namen akustisch nicht verstanden!“

„Holzleiter, Peter Holzleiter! Wie die Leiter aus Holz!“

„Danke! Hallo Herr Holzleiter! Von wo kommen Sie?…“

Nach so einem Gespräch vergessen Sie wohl eher Ihren eigenen Namen, als den von Herrn Holzleiter. Vermutlich vergessen Sie ihn jetzt, nachdem Sie diesen Text gelesen haben, ohnehin nicht mehr.

Herr Holzleiter hat uns einen riesigen Gefallen getan. Er hat seinen Namen beschrieben. Wenn es der Namensinhaber nicht tut, tun Sie es, sofern es Ihnen möglich ist.

Regel Nummer 6:

Beschreiben Sie den Namen!

Zerlegen Sie den Namen in seine Bestandteile und machen Sie einen kurzen Satz daraus. „Holzleiter, wie die Leiter aus Holz!“

Falls Sie, mit mehreren Leuten, an einer Besprechung oder einem Training teilnehmen, haben Sie noch eine weitere, unschätzbare, Hilfe.

Regel Nummer 7:

Machen Sie sich mit den Namen einen Sitzplan!

Malen Sie sich die Sitzordnung auf ein Blatt Papier und schreiben Sie die Namen an den richtigen Sitzplatz. Falls Sie zu diesem Zeitpunkt feststellen, dass Sie, trotz allem, ein paar Namen nicht mehr wissen, können Sie bei der offiziellen Vorstellungsrunde, die Fehlenden ergänzen.

Regel Nummer 8:

Arbeiten Sie mit Ihrer Erinnerung!

Stellen Sie sich den von Ihnen angelegten Sitzplan immer wieder vor und tragen Sie im Geiste die Namen ein. Wenn es sich um eine einzelne Person handelt, stellen Sie sich das Begrüßungsgespräch vor. Dabei fällt Ihnen sicher auch wieder der Name ein. Falls es um Herrn Holzleiter geht, fällt Ihnen dann Ihr eigener Name wieder ein.

Regel Nummer 9:

Freuen Sie sich, wenn Sie den Namen behalten haben!

Jetzt höre ich förmlich wie Sie kundtun, dass Sie ja nicht jedes Mal ein Rad schlagen können, wenn Sie sich einen Namen behalten haben. Richtig! Interessanterweise ärgern Sie sich allerdings jedes Mal, wenn Sie sich einen Namen nicht behalten haben. Diesen Ärger kommentieren Sie dann möglicherweise noch mit: „Ich kann mir einfach keine Namen merken!“

Sie können dieselbe Energie für die Freude einsetzen, die Sie für den Ärger verschwenden. Viele meiner Teilnehmer ärgern sich offensichtlich sehr gerne, wenn Sie eine Übung nicht gleich beim ersten Mal erfolgreich bewältigen. Wenn Sie eine Übung allerdings direkt umsetzen können, nehmen Sie es als selbstverständlich hin. Diese Leistung wird dann noch gerne mit dem Satz abgewertet. „Naja, das war ja einfach!“

Das ist schade. Sie verschenken einen Grund, sich zu freuen. Und übrigens verschenken Sie einen Grund, sich Namen zu merken. Freude ist ein sehr guter Grund, etwas zu tun.

Regel Nummer 10:

Interessieren Sie sich für Namen!

Wenn Sie ein wenig Interesse für außergewöhnliche Namen entwickeln, werden sie automatisch wichtig für Sie. Fragen Sie nach, ob der Namensinhaber weiß, woher sein Name kommt. Oftmals bekommen Sie jetzt eine gute Geschichte zu hören. Und gute Geschichten können Sie wieder gewinnbringend einsetzen, falls Ihnen beim nächsten Smalltalk, partout kein Thema einfallen will. Viele Menschen haben, dank Internet, Nachforschungen über Ihren Namen angestellt und sind froh, dass endlich mal jemand danach fragt. Wieder einmal fallen Sie positiv auf, weil Sie etwas tun, was andere nicht tun. Sie haben Interesse an Ihrem Gegenüber. Und ganz nebenbei erreichen Sie dadurch etwas sehr Wertvolles…

…die Leute merken sich IHREN Namen garantiert!