Stress reduzieren

Stress reduzieren mit der richtigen Einschätzung

Wie kann ich meinen Stress reduzieren? Diese Frage stellen meine Seminarteilnehmer immer wieder. Dabei fällt mir oft auf, dass es ihnen schwer fällt überhaupt zu erkennen ob sie im Stress sind. Meistens verwechseln wir nämlich Stress mit körperlicher Belastung. Und das kann negative Folgen haben. Denn körperliche Anstrengung hilft sogar dabei den Stress abzubauen.

Stress hat man nicht, Stress macht man sich!

Der Bus fährt Ihnen vor der Nase weg. Infolgedessen müssen Sie jetzt schnell eine Entscheidung treffen, wie es weitergeht. Schließlich müssen Sie zur Arbeit. Sie entscheiden sich für ein Taxi. Sie sehen eines kommen und müssen rennen, um den Fahrer auf sich aufmerksam zu machen. Er hält an, Sie springen ins Taxi, schnappen nach Luft und stammeln dem Taxifahrer das Fahrziel vor. Ihr Herz pocht, Sie atmen ruckweise und denken, „Was für ein Stress!“.

Falsch!

Das ist schlichtweg die natürliche Reaktion des Körpers auf eine Anstrengung. Mit Stress im eigentlichen Sinne hat das rein gar nichts zu tun.

Viele Menschen verwechseln körperliche Anspannung mit Stress.

Stressreaktionen haben der Menschheit geholfen zu überleben. In einer lebensbedrohlichen Situation werden im Körper alle Reserven mobilisiert. Der Mensch ist nun in der Lage, sich mit aller Kraft zu verteidigen und zu kämpfen oder mit aller Kraft zu fliehen. Durch ein geschicktes Zusammenspiel von Hormonen und körperlichen Abläufen wird der menschliche Körper kurzfristig und kurzzeitig befähigt Höchstleistung zu vollbringen.

Die Einschätzung ist entscheidend, ob ich Stress empfinde.

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Stress reduzieren

Kommen wir zurück zu unserem verpassten Bus.

Ein verpasster Bus ist alles andere als lebensbedrohlich. Durch ‚geschicktes‘ Grübeln und Katastrophisieren der Situation kann es allerdings schnell lebensbedrohlich werden. Ich muss mir nur lange genug einreden, dass der Busfahrer daran schuld ist, dass ich den Bus verpasst habe. Deshalb komme ich zu spät zur Arbeit, verpasse das Meeting, meine Präsentation fällt aus, der Chef ist wütend, ruft den Vorstand an der sich jetzt mit meiner ausgefallenen Präsentation beschäftigt, der Aktienkurs des Unternehmens fällt… und ich bin entlassen, habe nichts mehr zu essen und werde verhungern… – mein Leben ist bedroht.

JETZT wird mein Körper tatsächlich den Stresszustand ausrufen. Schuld daran ist allerdings nicht der verpasste Bus, sondern meine Grübelei. Den Stress habe ich gemacht.

Sollte ich vor lauter Hektik erst gar nicht zum Grübeln kommen, fällt mir möglicherweise erst im Taxi auf, dass der verpasste Bus mein Leben bedroht hat. Ich muss jetzt nur das pochende Herz und die schwere Atmung als Stress interpretieren und schon habe ich rückwirkend eine bedrohliche Situation erschaffen. Wenn ich nämlich JETZT im Stress bin, muss eine lebensbedrohliche Situation vorausgegangen sein.

Und wieder trifft den Bus keine Schuld, sondern meine Einschätzung der Situation. Unser Hirn wird versuchen den körperlichen Zustand zu erklären. Aufgrund der Erklärung wird dann eine Emotion erzeugt (Zwei-Faktoren-Theorie der Emotion, Stanley Schachter, 1964). Wenn wir jetzt durch eine Ablenkung eine falsche Erklärung nach vorne drängen, wird unser Hirn einen falschen Zusammenhang feststellen. In der Folge könnte dies dazu führen, dass wir in Zukunft einen verpassten Bus direkt als Stress empfinden.

Situation – Einschätzung – Gefühl

In beiden Fällen war es nicht die ursprüngliche Situation (Bus verpasst), die den Stress erzeugt hat. Es war die persönliche Reaktion darauf (Katastrophisieren / Fehldeutung der Körperreaktion). Wenn ich es schon versäumt habe an der Situation etwas zu ändern (früher von zu Hause aufbrechen), kann ich doch zumindest an meinem Umgang mit der Situation etwas ändern.
In den meisten Fällen entsteht Stress in unserem Kopf. Das lässt sich beeinflussen. Betrachten Sie die Situationen in Ihrem Alltag genauer und schätzen Sie sie bewusst ein.

Das ist ein erster Schritt zu mehr Gelassenheit. Und Stress reduzieren geht mit Gelassenheit am besten.

 

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Beitragsbild: Amelie & Gero Mayer