Über das Reden … vor Gruppen (Teil 2)

Der große Tag ist gekommen. Sie sind kurz davor, Ihre Präsentation zu präsentieren oder Ihren Vortrag vorzutragen und selbstverständlich haben Sie bei Ihrer Vorbereitung an alles gedacht. Ihr mentales Drehbuch ist perfekt. Sie haben mögliche Zwischenfragen vorbereitet, ihre Ausrüstung überprüft usw. Kurzum; es ist soweit und sie befinden sich am Ort des Geschehens.

Jetzt zahlt sich die Vorbereitung aus. In dem sicheren Wissen jederzeit loslegen zu können, haben Sie nun Gelegenheit, mit den Teilnehmern in Kontakt zu treten und damit ein paar hilfreiche Brücken zu bauen. Selbstverständlich sind das noch keine Brücken über die Sie mit einem Panzer fahren können, allerdings haben Sie die Möglichkeit ein solides Fundament zu erstellen, um während der Präsentation besser mit dem Publikum kommunizieren zu können.

Betrachten wir einige Verhaltensregeln, mit denen Sie den Erfolg Ihres Vortrags in die Wege leiten können.

Begrüßung

Bei einer kleinen Gruppe von Zuhörern sollten Sie Jeden persönlich begrüßen und die Hand reichen. Schauen Sie den Personen dabei ins Gesicht! Stellen Sie sich mit Ihrem ganzen Namen vor! Und merken Sie sich, um Himmels Willen, den Namen Ihres Gegenübers! Falls Sie den Namen nicht verstanden haben fragen Sie nach und begrüßen ihn dann noch mal mit seinem Namen. Warten Sie dann am Besten, auf welchen Platz er sich setzt, und notieren Sie sich den Namen auf einem kleinen Raumplan. Der Name ist Ihr mächtigstes Werkzeug, um die Zuhörer für sich zu gewinnen. Die Leute sprechen Ihnen magische Fähigkeiten zu, wenn Sie in der Lage sind, schon bei der Vorstellung jeden mit Namen ansprechen zu können. Und einem Magier hört man gerne zu. In einem späteren Artikel werden wir uns anschauen, was Sie alles tun können, um den Namen auch im Gedächtnis zu behalten.

Durch das persönliche Begrüßen tun Sie möglicherweise auch etwas für den Teilnehmer. Es gibt nämlich durchaus viele Menschen, die sich auch als Zuhörer unter Stress fühlen. Unter Umständen sind sich die Anwesenden untereinander ebenfalls fremd und sind Ihnen dann mehr als dankbar für ein wenig Smalltalk. Erkundigen Sie sich, wie die Anfahrt war oder ob das Hotel in Ordnung ist! Möglicherweise hat Ihr Gast einen ortsunüblichen Dialekt. Dann fragen Sie ihn doch woher er kommt. Vermutlich wird er Ihnen daraufhin freudig erregt von seiner Heimat erzählen. Das Erzählen wird meist ausreichen und der Gast wird sich ein klein wenig wie zuhause fühlen. Oft ist es auch möglich, zwei Teilnehmer im Vorfeld miteinander bekannt zu machen. Sie haben ja Jedem aufmerksam zugehört und erkennen Gemeinsamkeiten.

Irgendwann haben wir den Zeitpunkt erreicht, an dem alle ihren Platz einnehmen und Sie vor die Gruppe treten.

Lächeln

Sie stehen vor den Zuhörern. Und bevor Sie auch nur daran denken den ersten Satz zu sagen, ist eines ganz wichtig: Lächeln! Lächeln Sie! Sie werden bemerken, dass es unheimlich ansteckend ist. Es wird ihrem Publikum sehr schwer fallen, Ihr Lächeln nicht zu erwidern. Üben Sie es ruhig vor dem Spiegel. Und lassen Sie auch die Augen dabei mitwirken. Allerdings werden Sie mit etwas Übung feststellen, dass es schon ausreicht die Mundwinkel nach oben zu ziehen. Alleine dieses aufgesetzte Lächeln bewegt die Menschen, gute Laune zu bekommen. Es gibt nichts Schöneres für einen Redner, als vor einem gut gelaunten Publikum zu stehen. Dann läuft vieles für Sie von alleine und das gibt Selbstvertrauen. Wenn es Ihnen gelingt aus tiefstem Herzen zu lächeln; umso besser.

Durch das automatisierte Lächeln erreichen Sie einen weiteren Effekt für sich selbst. Sollten Sie sich bis jetzt noch nicht 100%ig wohl gefühlt haben, wird das Lächeln Sie dazu bringen, sich gut zu fühlen. Denn es wirkt in beide Richtungen. Wenn wir uns gut fühlen lächeln wir und wenn wir lächeln werden wir uns automatisch gut fühlen. Das haben wir schon 100.000-fach in unserem Leben geübt. Unser Unterbewusstsein weiß Bescheid: Lächeln ist gut!

Wo sitzt wer?

Sie haben sich und die Teilnehmer in positive Stimmung gebracht. Es wird Zeit, sie offiziell zu begrüßen.

Halt!

Tun Sie es noch nicht! Schauen Sie sich zunächst einmal an, wer wo sitzt. Begrüßen Sie Einzelne noch einmal mit einer Geste, beispielsweise einem Kopfnicken. Tun Sie das in Ruhe und einer entspannten Haltung. Nutzen Sie dieses Orientieren zur erneuten Kontaktaufnahme. Dadurch entwickeln Sie für die Zuschauer eine persönliche Atmosphäre. Wie wir schon gesehen haben, gibt es durchaus viele Menschen, die sich unwohl fühlen, wenn sie als Zuhörer in einer Gruppe Unbekannter sitzen. Wenn Sie diesen Leuten schon vor Beginn Ihrer Präsentation das Gefühl geben können, dass zumindest Sie sich an sie erinnern und sie kennen, schaffen Sie ein positives Klima. Sie werden merken, dass dieses entspannte Umschauen auch für Sie eine Orientierung ist. Sie wissen jetzt auch selbst besser über Ihr Umfeld Bescheid und werden automatisch noch entspannter. Ein unbekannter Raum könnte für uns Kontrollverlust bedeuten. Kontrollverlust würde Stress bedeuten. Diesem Umstand kommen wir zuvor, durch unseren entspannten Streifzug, mit den Augen.

Vorstellung

Und nun präsentieren Sie zunächst einmal sich selbst! Sie stellen sich ihrem Publikum vor. An Ihrer Vorstellung haben Sie ja gearbeitet. Der Text ist mehrfach verbessert und ausgefeilt worden. Sie haben sich jedes Wort eingeprägt und solange umformuliert, bis Sie sich dabei gut gefühlt haben. Diese Arbeit zahlt sich nun aus. Die Zuschauer werden sofort bemerken, dass Sie sich vorbereitet haben und entspannt sind. Jetzt fühlt sich das Publikum ernst genommen und wird es Ihnen danken. Die ausformulierte Begrüßung gibt Ihnen, als Redner, Sicherheit. Ihr Selbstbewusstsein wächst mehr und mehr. Für die Zuhörer bedeutet dies, einen Redner vor sich zu haben, der glaubt was er sagt. Das ist der beste Nährboden für einen gelungenen Vortrag.

Sollten Sie nun eine leichte Nervosität bei sich bemerken, sprechen Sie diese NIEMALS an, KEINESFALLS, NIE und unter KEINEN Umständen. Machen Sie sich bewusst, dass Ihr Körper Ihnen zusätzliche Energie bereitstellt. Nutzen Sie diese! Zur Nervosität wird diese Energie erst, wenn Sie sie dazu machen. Und Sie können sich sicher sein: Das Publikum merkt von Ihrer Adrenalinausschüttung ohnehin NICHTS. Machen Sie ein paar Übungsläufe vor der Videokamera und Ihnen wird auffallen, von Ihrer „Aufregung“ ist nichts zu sehen.

Sollten Sie von einem Moderator angekündigt werden, nehmen Sie unbedingt in Ihrer Begrüßung darauf Bezug. Meist werden solche Anmoderationen mit großen Worten und Lobeshymnen gemacht. Spielen Sie das in Ihrer vorbereiteten Vorstellungsformel wieder herunter und machen Sie möglicherweise sogar einen Scherz darüber. Die Zuhörer werden Ihnen Bescheidenheit zurechnen. Und die Fähigkeit auch über sich selbst lachen zu können wird das Publikum als selbstbewusst empfinden. Dass sie ein Experte sind hat der Moderator schon gesagt. Dass Sie selbstbewusst sind und an das glauben was Sie sagen, haben Sie gerade bewiesen. Dass Sie selbstverständlich auch mal Fehler machen, erfahren die Zuhörer im Moment durch Ihren kleinen Scherz. Und eben dies wird die Zuhörer auf Ihre Seite ziehen. Perfektion macht das Publikum möglicherweise unsicher und könnte Ihre Präsentation kühl erscheinen lassen. Sie demonstrieren, dass Sie auch nur ein Mensch sind und machen sich damit sympathisch. Durch Ihre Vorbereitung wird dem Publikum deutlich, dass Sie es ernst nehmen und auf die Menschen eingehen, die Ihnen ihre Zeit schenken. Sie haben die Zuhörer auf Ihrer Seite, jetzt kommt der Vortrag!

Der Vortrag

Der Vortrag selbst ist ja traditionell der Zeitpunkt zu dem Satan persönlich auf der Bildfläche erscheint und Ihre schöne Präsentation zum Anlass nimmt, die gesamte Menschheit ins Verderben zu stürzen.

Mit Ihrer Vorbereitung und dem stückweise Aufbauen von Selbstvertrauen und einer Bindung zum Publikum werden wir erreichen, dass Satan allenfalls als kleines, bucklichtes Männlein erscheint, das, hustend und schwitzend, in seiner eigenen Qualmwolke steht, während es von uns, lächelnd und höflich, den Weg nach Hause beschrieben bekommt.

Selbstverständlich haben Sie auch während des Vortrages ausreichend Möglichkeiten, auf Geschehnisse zu reagieren und die Präsentation zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen.

Diese Möglichkeiten wollen wir uns im dritten Teil dieser Serie betrachten.