Gesprächsförderer
Manche Gespräche laufen wie von selbst, andere schleppen sich zäh dahin und einige kommen völlig zu Erliegen. Oft fühlen wir uns bei einer Unterhaltung unwohl oder haben danach den Eindruck, unsere Zeit vergeudet zu haben. Solche Situationen können entstehen, wenn in einem Gespräch Killerphrasen eingesetzt werden. Diese führen, wie der Name schon sagt, zum Abbruch des Gesprächs, weil sie oftmals die Gefühle des Gesprächspartners verletzen oder ihn nicht als Partner respektieren.
Was können wir tun, um in einem Gespräch ein positives Klima zu schaffen?
Es gibt selbstverständlich zahlreiche Möglichkeiten, ein Gespräch in Gang zu halten oder zum Laufen zu bringen. Schauen wir uns einige davon an.
Die populärste Methode ein Gespräch dynamisch zu gestalten, sind selbstverständlich Fragen. Natürlich muss beim Fragen darauf geachtet werden, keine Verhöratmosphäre zu schaffen. Stellen Sie beispielsweise in einem Gespräch immer wieder Fragen, die nur mit Ja oder Nein zu beantworten sind, bremsen Sie es sehr schnell aus. Diese geschlossenen Fragen wirken oft wie eine Stoppmarke. Der Gesprächspartner wird damit gezwungen eine klare Stellung zu beziehen und gerät möglicherweise unter Druck. Besser sind hier offene Fragen, die bei der Antwort Spielraum lassen. Genau dieser Spielraum bietet dann oft Ansatzpunkte, das Gesprächsthema aufzubauen oder es in eine andere, vielversprechendere Richtung, zu lenken. Doch auch hier gibt es Unterschiede.
Anstelle von „Warum“ sollte, beispielsweise, lieber „Weshalb“ benutzt werden. Es klingt weitaus weicher und dadurch freundlicher als das harte und oft aggressive „Warum“. Bei einem Konfliktgespräch treiben allerdings beide Fragewörter den Anderen in die Enge. Sie sind auf die Vergangenheit ausgerichtet und bieten keinerlei Lösungsansatz, sondern verlagern das Gewicht auf Dinge, die nicht mehr zu ändern sind. Bei Fragen mit „Wie“ oder „Was“ ist es am effektivsten möglichst allgemein zu bleiben.
Zum Beispiel beim Smalltalk…
A : Heute bin ich irgendwie schlecht drauf.
B : Wie kommt’s?
A : Ach, ich weiß auch nicht. Als ich heute morgen…
Hätte B die beliebte Frage gestellt: „Was ist denn passiert?“ hätte er A damit möglicherweise noch mehr verärgert. Diese Frage geht nämlich weitaus mehr ins Detail und setzt voraus, dass etwas Besonderes passiert ist. Sollte das in unserem Beispiel eben genau nicht der Fall gewesen sein, würden wir A damit in die Defensive drängen. Er müsste sich selbst zugestehen, dass nichts geschehen ist, was seine schlechte Laune rechtfertigt. Diese Feststellung ärgert ihn vermutlich noch mehr. Mit der „Wie-Frage“ im Beispiel, lassen wir ihm Raum, völlig entspannt, zu dieser Einsicht zu gelangen. Die Frage ist weicher und allgemeiner. Sie lässt weitaus mehr Möglichkeiten zu antworten. Und beim Smalltalk möchten wir unterhalten, keine Therapie durchführen.
Die ökonomischste Methode ein Gespräch am Laufen zu halten ist das aktive Zuhören. Hierbei machen Sie, während Ihr Gesprächspartner redet, von Zeit zu Zeit kurze Aufmerksamkeitsäußerungen wie „Aha“, „Ja“, „das kenn ich“ oder Sie nicken hin und wieder mit dem Kopf. Dadurch fühlt sich der Gesprächspartner bestärkt und redet weiter. Mit diesen kurzen Äußerungen ist es sogar möglich, ein Gespräch in eine gewünschte Richtung zu lenken. Mit etwas Übung können Sie das aktive Zuhören immer wieder bei bestimmten Wörtern oder Ausdrücken des Partners einsetzen. Ihre Aufmerksamkeit sollten Sie eben immer genau dann bekunden, wenn Äußerungen gemacht werden, die ein ähnliches Thema streifen. Beispielsweise könnten Sie bei einem Gespräch immer dann Aufmerksam werden wenn der Gesprächspartner beiläufig ein Familienmitglied erwähnt. Sie können fast sicher sein, er wird ihnen in kurzer Zeit sehr ausführlich über seine Familie berichten. Der Gesprächspartner möchte sich unterbewusst möglichst viel Ihrer „Aha’s“ und „Ja’s“ abholen. Er wird ganz von alleine immer häufiger auf das Thema kommen, bei dem er Aufmerksamkeit bekommt. Möglicherweise fragt er sogar irgendwann: „Warum erzähle ich Ihnen das alles?“. Und dann wird munter weiter berichtet.
Die Körpersprache kann ebenfalls als Förderer benutzt werden.
Der Winkel, in dem man während eines Gesprächs zueinander steht, hat Einfluss auf die Gefühle der Teilnehmer. Positive Gefühle fördern natürlich das Gespräch. Am besten ist es dem Gesprächspartner in einem leichten Winkel gegenüber zu stehen oder zu sitzen. Steht man frontal zueinander, kann das leicht als Bedrängnis oder Konfrontation empfunden werden und das ist ein extremer Gesprächskiller.
Bei einer Frage ist es von Vorteil sich leicht nach vorne zu beugen und dann wieder zurück zu nehmen um den Partner kommen zu lassen. Wer in einem Gespräch zurück gelehnt ist, wird unterbewusst als der Gesprächsführer aufgefasst. Oftmals wird der Andere versuchen uns wieder nach vorne zu holen um auf gleicher Ebene zu sprechen oder sogar selbst die Führung zu übernehmen. Das kann er natürlich am ehesten erreichen, wenn er mit uns redet. Eben das möchten wir ja.
Allgemein bekannt ist, während des Gesprächs viel Augenkontakt zu halten. Auch dabei ist natürlich Fingerspitzengefühl gefragt. Ein Blick in beide Augen kann sehr schnell als Provokation aufgefasst werden und das führt natürlicherweise bei den meisten Menschen zu Unwohlsein. Eine schlechte Grundlage für eine entspannte Atmosphäre. Sie sollten also darauf achten, immer nur in ein Auge oder auf eine Gesichtshälfte zu schauen. Der Blickkontakt sollte dabei nicht länger als drei Sekunden bestehen. Damit würde eine natürliche Zeitgrenze überschritten, die sofort wieder unterbewusst als Provokation aufgefasst wird.
Paraphrasieren ist eine solide Methode, um eine entspannte Gesprächsatmosphäre zu erzeugen. Das ist selbstverständlich die beste Voraussetzung ein Gespräch flüssig zu gestalten. Beim Paraphrasieren wird eine Aussage des Partners aufgegriffen und nachgefragt ob man als Empfänger alles so verstanden hat, wie es der Sprecher gemeint hat.
A: Schon so spät!
B: Sie meinen, Sie müssen weiter?
A: Nein, ich wundere mich, wie schnell die Zeit vergeht, wenn man sich unterhält.
Oft werden Aussagen mit eigenen Erfahrungen und Gefühlen vermischt. Dann entsteht schnell ein völlig anderes Bild, als vom Sender beabsichtigt war. Durch Paraphrasieren erhalten Sie vom Sender ein Feedback, ob Sie es so verstanden haben, wie vom Sender vorgesehen.
Durch dieses Vorgehen fühlt sich der Gesprächspartner natürlich auch ernst genommen. Das schafft zusätzlich Vertrauen und positive Gefühle. Selbstverständlich gehen Sie auch hierbei mit etwas Einfühlungsvermögen vor. Durch pausenloses Hinterfragen erreichen Sie nämlich das Gegenteil. Der Partner wird genervt reagieren. Sie haben noch andere Gesprächsförderer zur Auswahl.
Ist ein Gespräch völlig zu Erliegen gekommen, kann es sehr leicht mit einem alltäglichen Thema wieder in Gang gebracht werden. Sie werden es kaum für möglich halten, das Wetter ist hierfür immer gut. Wetter haben wir immer. Das Wetter wird als Gesprächsthema oft als zu banal abgetan. Und genau das macht es so interessant als Gesprächsförderer. Bei meinen Kursen rette ich so fast jedes Schweigen in den Pausen. Selbst wenn jemand dann eine abfällige Bemerkung wegen des Wetters als Gesprächsthema macht, haben Sie jetzt die Möglichkeit sich genau darüber zu unterhalten. In Windeseile haben Sie ein anregendes Gespräch über das Thema: „Gesprächsförderer“. Dazu können Sie jede Menge Stoff liefern. Und im Handumdrehen ist man bei spannenderen und persönlicheren Themen. Das Wetter ist ein hervorragender Startpunkt.
Probieren Sie diese Techniken doch mal beim nächsten Smalltalk aus. Sie können sie spielerisch einbauen und damit experimentieren. Mit etwas Übung werden die Gespräche immer lockerer und flüssiger.
Viel Spaß bei Ihren Gesprächen!
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