Jeder Mensch,
der – egal, ob im Berufsleben oder im Sport –
über einen langen Zeitraum zur Spitze gehören und eine entsprechende Leistung
bringen will, kennt glaube ich das Gefühl, dass irgendwann scheinbar nichts
mehr geht. Man empfindet das eigene Schaffen als Stillstand, es ist schwer,
sich für neue Aufgaben zu motivieren oder generell den Fokus auf dem eigentlich
gesteckten Ziel zu halten. Nach 24 Jahren als aktiver Kämpfer in zahlreichen
Vollkontakt-Disziplinen stand ich im Alter von 36 Jahren auch an diesem Punkt.
Zum Einen wurde mir von meinem Umfeld immer wieder gesagt, dass ich in meinem
Alter doch langsam mal ans aufhören denken sollte, zum Anderen empfand ich mich
und meine Entwicklung in der Königsdisziplin des Kampfes – dem Freefight – als
starr und stehengeblieben. Und ich dachte wirklich ans Aufhören. Noch zwei
Jahre zuvor hatte ich meinen Weltmeistertitel gegen einen jüngeren und viel
erfahreneren Shonie Carter aus den USA verloren und irgendwie klappte es
scheinbar nicht mehr, an alte Erfolge anzuknüpfen und neuen „Schub“ in meine
Karriere zu bringen.
Matthias Werner kannte ich schon ein paar Jahre von etlichen
Turnieren und über die Zeit hatten sich eine gute Kameradschaft und auch ein
starkes Vertrauensverhältnis von meiner Seite zu ihm entwickelt. Ich schätze
Mattias schon immer als ruhigen, besonnenen Menschen, der mir mit seiner
humorvollen und doch sehr belesenen Art lag.
Im März 2005 traf ich mich mit ein paar Freunden aus dem
German Top Team in Mainz zu einer kleinen Trainingssession, um mich auf meinen
erneuten – und wie ich zu diesem Zeitpunkt noch dachte, letzten – Kampf um den
Weltmeistertitel im Freefight vorzubereiten. Matthias erfuhr davon, dass ich in
der Gegend war und lud mich spontan ein, bei ihm auf einen Kaffee vorbeizuschauen.
Eine Einladung, die ich gerne annahm und für die ich bis heute aus tiefstem
Herzen dankbar bin. Denn bei diesem Treffen bot mir Mattias an, mich künftig zu
trainieren, zu betreuen und sowohl physisch als auch mental auf meine Kämpfe
vorzubereiten.
Noch am selben Tag begann Matthias meine mentale Betreuung
durch Hypnose. Anfangs war ich sehr skeptisch. Weniger in Bezug auf die
Fähigkeiten von Matthias als mehr hinsichtlich der Wirkung und Effizienz bei
mir. In den folgenden sechs Wochen betreute mich Matthias intensiv. Wir führten
sehr viele gute Gespräche, er verbrachte viel Zeit mit mir auf der Matte und er
wandte mehrmals eine tiefe Hypnose bei mir an. Welche Folgen diese Betreuung
haben sollte, sah ich dann am 27. Mai 2005 in Villingen-Schwenningen, als ich
im Hauptkampf der SHI KON Fight Night gegen den Italiener Massimilano Constanzi
um den vakanten WM Titel im Weltergewicht fightete.
Noch nie fühlte ich mich derart ruhig, sicher und vor allem
stressfrei vor einem Kampf. Noch nie war ich derart siegessicher,
zuversichtlich und fokussiert vor einem Kampf. Und noch nie hatte ich einen
Gegner derart überwältigend und chancenlos geschlagen und besiegt! In nur 26
Sekunden der ersten Runde hatte ich Constanzi zu Boden gebracht und mit einem
Hagel an Faustschlägen zur Aufgabe gezwungen. Der frischgekrönte Karate
Weltmeister aus Pisa hatte mir in diesem Kampf rein gar nichts
entgegenzusetzen. Im Alter von 36 Jahren hatte ich mir den Titel zurückgeholt
und mir meinen Lebenstraum erfüllt!
Ich bin schon zu lange in diesem Sport tätig und
erfolgreich, um diesen Sieg als „Glücksfall“ oder den Gegner als „Fallobst“
abzutun. Im Alter von 36 Jahren hatte ich es Dank der Betreuung von Matthias
geschafft, meine eigenen Grenzen neu zu ergründen, alte Grenzen und Barrieren
im Kopf zu überwinden und dadurch letztendlich den Sieg gegen einen jüngeren,
stärkeren und vor allem „hungrigeren“ Gegner zu erringen.
Man sagt, dass Kämpfen mindestens zu 50% Kopfsache sei. Das
ist falsch! Ich weiß heute, dass gut und gerne 90% eines Erfolges von unserem
Kopf abhängig sind. Und wenn diese 90% eben in Ordnung sind und man mit vollem
Potential arbeiten kann, dann ist ein Sieg oder Erfolg auch unter schwierigen
Umständen gegen einen stärkeren Gegner möglich.
Seit diesem Kampf werde ich bis heute noch intensiv von
Matthias auf all meine Kämpfe vorbereitet und mit mittlerweile 38 Jahren gehöre
ich in diesem Sport zwar schon zum „alten Eisen“, aber bis heute kämpfe ich
regelmäßig auf den größten und besten Events in Japan, den USA und ganz Europa
und zähle noch immer zu den Top Namen, wenn es um das Matchmaking für
Welttitelkämpfe der verschiedenen Verbände und Labels geht. Und eines ist
sicher: der Motor hinter diesem Erfolg heißt Matthias Werner.
Peter Angerer